Unsere Arbeit in Burundi - Youth Now – Friedensförderung

Das zentralafrikanische Burundi hat eine sehr junge Bevölkerung. Von den rund 11,5 Mio. dort lebenden Menschen sind

65 % der Bevölkerung unter 24, das Durchschnittsalter betrug 17,3 Jahre. Laut Welthunger-Index gehört das Land zu den ärmsten Ländern der Welt. Für das Jahr 2050 wird laut der mittleren Bevölkerungsprognose der UN mit einer Bevölkerung von über 25 Millionen gerechnet, womit sich die Bevölkerungszahl mehr als verdoppeln würde. Dabei ist Burundi besonders stark vom Klimawandel betroffen und bereits heute ist etwa 42,6% der Bevölkerung Nahrungsmittelunsicherheit ausgesetzt. 

 

Seit der Unabhängigkeit des Landes 1963 befindet sich das kleine Land immer wieder in ethnischen und politischen Konflikten. So kam es in den Jahren 1963, 1965 1969, 1972 1988 und 1999 zu bewaffneten Konflikten. Zwischen 1993 bis 2008 schloss sich eine Dekade des Bürgerkriegs und der politischen Unruhe an. Seit der Ermordung des ersten Premierministers Louis Rwagasore dauert die Gewalt im Land an – und hat tiefe Spuren im Zusammenhalt der Gesellschaft und im Vertrauen hinterlassen. Die Einwohner von Burundi haben die Ermordung von hunderttausenden Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die Zerstörung von Besitz, die Vertreibung von tausenden Menschen, die zu Binnenvertriebenen wurden, die Ermordung oppositioneller und willkürliche Verhaftungen erlebt. 

 

Auswirkungen dieser Konflikte

Der Konflikt in Burundi und der Bürgerkrieg haben große Auswirkungen auf die gesamte Region und die Nachbarländer, wie den Kongo und Ruanda. Im Jahr 2000 waren mehr als 1,3 Millionen Einwohner Burundis auf der Flucht oder Binnenvertrieben. Die hohe Anzahl der Flüchtlinge hat zu weiteren Problematiken beigetragen, so war es zum Beispiel relativ einfach für bewaffnete Gruppen, Rückzugsorte und Basen zu schaffen, außerdem blühte der illegale Waffenschmuggel und Drogenhandel. Burundische und ruandische Rebellengruppen arbeiten dabei aktiv an der Rekrutierung von Jugendlichen in die bewaffneten Gruppen.

 

Vor dem Hintergrund der multiplen Krisen der Vergangenheit hat sich die Situation für die Bevölkerung- und besonders für Kinder und Jugendlichen seit 2015 erneut verschlechtert. Eine Wirtschaftskrise, die durch die Sanktionen der EU und internationale Partner aufgrund der Menschenrechtsverletzungen verschärft wurde hat dazu geführt, dass es noch weniger Zugang zu sozialer Grundsicherung wie Gesundheit, Bildung und Schutz gibt als zuvor. 64,9% der Einwohner von Burundi leben in absoluter Armut. Die hohe Zahl der intern vertriebenen schwächt die Landwirtschaftliche Produktion, die fast die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes ausmacht. Aktuell wird kein bewaffneter Konflikt offen ausgetragen. Nur hin und wieder kommt es zu Attacken, die der Rebellengruppe RED Tabara zugeschrieben wird. Der Konflikt schwelt aber weiter.

Jugendliche und ihre Situation

Die Wirtschaftskrise trägt zu einer hohen Arbeitslosigkeit bei, besonders bei Jugendlichen, wo 64% der Jugendlichen keine Einkommensmöglichkeit haben. In einer Befragung von War Child in 2020 gaben 70% der Jugendliche an, dass ein friedliches Zusammenleben gleich durch mehrere Faktoren beeinträchtigt war. Etwa 31% der Befragten gaben an, dass Fehlinformationen, Vorurteile und politisches Engagement ein wesentlicher Konflikt in ihrem Alltag waren. 17% der Jugendlichen nannten Armut als Hauptursache für Konflikte. Arbeitslosigkeit wurde von 9% der Befragten genannt, der Konflikt um Land und Landnutzung von 13% der befragten. 


Jugendliche und ihre Möglichkeiten

Jugendliche sind traditionell von allen Konfliktparteien eingebunden und manipuliert worden. Manchmal wurde auch Geld geboten, dafür, dass sie sich einer bewaffneten Gruppe anschließen. Dies ist angesichts der mangelnden wirtschaftlichen Alternativen für einige Jugendliche sehr verlockend. Viele der Jugendlichen in ihrer Kindheit den bewaffneten Konflikt erfahren und selbst Gewalt erlebt. In jedem Fall sind sie Kinder von Eltern, die hochgradige Gewalt und Konflikt erlebt haben.

 

Das intergenerationelle Trauma dieser Erfahrungen, die nicht aufgearbeitet sind bestimmt das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in Burundi und tragen dazu bei, dass die Wahrscheinlichkeit, selbst gewalttätig zu werden erhöht ist. Zusätzlich spielen auch traditionelle kulturelle Werte und Normen eine Rolle, die in der traditionellen Kultur verankert sind. So ist Gewalt gegen Frauen verbreitet. Besonders Mädchen aus armen Familien, Waisenkinder und Mädchen, die als Hausangestellte Arbeiten sind gefährdet. Frühe Heirat, oft nach Vergewaltigungen und fehlender Zugang zu Bildung, da Eltern in ländlichen Regionen die Bildung der Söhne priorisieren sind verbreitet.

 

Die schwierige Situation der Jugendlichen in Bezug auf gleichberechtigte Teilhabe, Mitspracherechte, wirtschaftliche Chancen und die Ungleichbehandlung von Mädchen führen zu Frustration und Unzufriedenheit bei den Jugendlichen – ein Nährboden für Gewalt, Frustration und Wut, die im schlechtesten Fall den Konflikt antreibt. 

Die aktuelle Lage in Burundi

Im April 2016 berichtete der Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR), dass seit Beginn der Krise in Burundi annähernd 260.000 Menschen in umliegende Länder geflohen sind. War Child fördert und unterstützt vor Ort aktiv Projekte in den Bereichen Krisenprävention, Konfliktbearbeitung, Stabilisierung und Friedenskonsolidierung.

 

Bei dem seit Mai 2021 von War Child unterstützten Projekt "Youth Now" geht es darum, bis Dezember dieses Jahres rund 400 junge Frauen und Männer im Alter von 15 bis 30 Jahren, die aus den Provinzen Cibitoke, Rumonge und Bujumbura stammen, in gesellschaftliche Prozesse einzubinden, ihnen wirtschaftliche Chancen zu ermöglichen und so zum Frieden in ihren Gemeinden beizutragen. 


Die Arbeit von War Child vor Ort

War Child und unsere lokale Partner NGO ADJEBUDI können mit Unterstützung vom Auswärtigen Amt in dem Projekt mit besonders benachteiligten Jugendlichen arbeiten, die am Rande der burundischen Gesellschaft leben, sowie denen, die in der Schule gescheitert sind und ihre Schulausbildung im burundischen Bildungssystem nicht fortsetzen konnten. Diese jungen Erwachsenen sind am meisten gefährdet, von Rebellengruppen rekrutiert zu werden und in gewalttätige und zerstörerische, oft politisch motivierte Aktivitäten verwickelt zu werden. In den Provinzen, in denen wir mit dem Projekt arbeiten ist das Risiko dafür besonders hoch. 

 

In dem Projekt schulen wir die Jugendlichen in Friedenskonsolidierung und friedlicher Konfliktlösung. Gemeinsam und moderiert erhalten sie die Möglichkeit, schädliche gesellschaftliche Stereotypen zu hinterfragen. Ein wichtiges Element in unserem Projekt ist es dabei auch, Entscheidungsträger, die bisher wenig auf die Perspektive von Jugendlichen hören einzuladen, so dass ein Dialog entsteht. So können neue Perspektiven und Alternativen entwickelt, um die schwelenden Konflikte zu bearbeiten und Versöhnungsarbeit zu leisten. Mit Hilfe des Projekts Youth Now können die Jugendlichen aktiv zur eigenen Zukunft der Krisenprävention beizutragen und lernen die Friedenskonsolidierung nach dem Konflikt unterstützen.

Stereotypen und Geschlechternormen im Projekt

Die Auseinandersetzung mit Stereotypen und Geschlechternormen sind ein wesentliches Element des Projekts, da sie zur Förderung eines friedlichen und solidarischen Zusammenlebens unter jungen Menschen beitragen. 

 

Da frühere Projekte gezeigt haben, dass eine reine Wissensvermittung nicht ausreicht um nachhaltig zu einer Verbesserung der Situation vor Ort, gehen wir in unserm Youth Now Projekt  einen Schritt weiter. Zusätzlich zur Konfliktbearbeitung geht es in unserem Projekt auch darum, Lebens- und Geschäftskompetenzen zu vermitteln, um eine wirtschaftliche Befähigung der Jugendlichen zu gewährleisten und Einkommensmöglichkeiten für sie zu schaffen. Wir benutzen dabei eine auf bewährte und speziell für Jugendliche angepasste Methode von Jugendspargruppen. 

Friedensförderung durch wirtschaftliches Empowerment

Der Ansatz, Friedensförderung mit wirtschaftlichem Empowerment zu verbinden, verspricht ein großer Erfolg zu werden. So können Konflikte und die Rekrutierung von Jugendlichen verhindern werden und aktive, befähigte junge Menschen zu einer friedlicheren und solidarischeren Gesellschaft in Burundi beitragen. Durch die Beteiligung besonders benachteiligten Jugendlichen an friedensfördernden Themen kann eine alternative Zukunft durch und mit ihnen selbst erschaffen werden.


 

 

 

 

 

Das Projekt wird über ifa zivik mit Mitteln des Auswärtigen Amtes finanziert.